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Die Frage nach der Abhänigkeit von Cannabis

Die WHO-Klassifizirung ordnet Cannabis nur eine mässigstarke psychische Abhänigkeit zu. Eine körperliche Abhänigkeit ist nicht eindeutig belegt; sie wird vor allem an Toleranzentwicklung und köeperlichen Entzugserscheinungen festgemacht. Bei geringem und mittlerem Cannabiskonsum tritt keinerlei Toleranzbildung ein, die eine Erhöhung der Dosierung erforderlich machen würde (Hollister, 1986); bei erfahrenen Konsumierenden genügt sogar eine geringere Menge des Stoffes, um den gewünschten Rauschzustand zu erreichen (Kleiber, Kovar, 1998).

Einige Untersuchungen, in denen Probanden im kontrollierten Setting einer Klinik THC in hohen Dosen über längere Zeiträume konsumiert haben, berichten eine - allerdings relativ schnell reversible - Toleranzbildung in Bezug auf die Erhöhung des Pulsschlages und das individuelle Rauschempfinden sowie Entzugserscheinungen in Form von Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, erhöhte Körpertemperatur etc. (Jones, Benowitz, 1976). Die Ergebnisse sind jedoch aufgrund der hohen und häufigen Dosierung während der Untersuchungen nicht auf den mässigen Konsum übertragbar.

Unter psychischer Abhängigkeit versteht man nach Definition des ICD-10 das starke psychische Bedürfnis, eine SUBSTANZ periodisch oder permanent zu konsumieren, um ein Gefühl des Wohlbefindens und der Zufriedenheit zu erzeugen oder Unbehagen zu vermeiden. Der Zustand ist charakterisiert durch den starken Wunsch, die Substanz einzunehmen, Schwierigkeiten, den Konsum zu kontrollieren oder zu reduzieren und durch lang anhaltendem Konsum trotz schädlicher Wirkung. Der Konsum von Cannabis kann, muss aber nicht zwangsläufig, zu einer psychischen Abhängigkeit führen (Soellner, 2000). In einer Untersuchung von Kleiber und Soellner (1998) wurde bei 2% der Personen, die ausschliesslich Cannabis konsumierten, eine psychische Abhängigkeit nach DSM-IV festgestellt.

Betrachtet man Personen, die zusätzlich auch andere Drogen konsumieren, so steigt der Prozentsatz auf 20%. Generell sind Drogenabhängige auch deutlich häufiger von anderen psychischen Störungen betroffen. Russel, Newman und Bland (1994) stellten extreme Unterschiede zwischen abhängigen und nicht abhängigen Erwachsenen bezüglich antisozialer Persönlichkeitsstörungen, Angststörungen und Depressionen fest. Dabei lag der Zeitpunkt des Auftretens der Störung meist deutlich vor dem Beginn des Drogenkonsums. Auch Kleiber und Soellner (1998) berichten korrelative Zusammenhänge zwischen Cannabisabhängigkeit und anderen Faktoren der psychischen Gesundheit.

Es liegt somit die Vermutung nahe, dass Cannabiskonsum in Abhängigkeit münden kann, wenn er als eine Art Copingstrategie zur bewältigung psychosozialer Probleme dient. Eine Abhängigkeit allein aufgrung substanzspezifischer Wirkungen ist eher unwahrscheinlich.

Mfg
Rinaldo Eckmann <headoffice@naturart.com>
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