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E-Mail der Arbeitsgruppe Heroin des Vereins für Drogenpolitik

An: Hubert Hüppe <hubert.hueppe@bundestag.de>

Sehr geehrter Herr Hüppe,

falls die Aufnahmebedingungen, Kontrollnormen und Auflagen zu eng gesteckt sind, ist dies den drogenpolitischen Abstinenzdogmatikern zu verdanken. Jahrelang stemmten sie sich vehement gegen den Versuch der Originalstoff-Abgabe, erreichten aber selbst mit ihrer Politik nur 1% bis 2% der Klientel. (1)

Gerade Schwerstabhängige von harten Drogen kommen häufig von ihrer Sucht nicht mehr los. Dies ist auch bei Alkoholikern hinreichend bekannt. Deshalb ist es um so wichtiger, ihre Lebensbedingungen bereits während ihrer Sucht zu verbessern. Tote lassen sich nicht mehr therapieren, Herr Hüppe!

Die offizielle Bewerbung für die Teilnahme an der Studie hat erst in Bonn begonnen, in Karlsruhe besteht nur die Möglichkeit, sich vorab zu informieren. Die aktuelle Zahl (Stand 24.01.2002) in Bonn von bereits 40 Interessierten erfüllt den Zeitplan. Proteste in Hamburg sind auf gezielte Fehlinformationen rechter Gruppierungen zurückzuführen.

Beikonsum von Kokain aber auch Crack ist seit langem bekannt. Waren es nicht Sie, Herr Hüppe, der eine Diskussion über eine erweiterte Abgabe im Keim erstickt hat?

Schweizer Modellversuch

Die Frage, ob die Erfolge beim Schweizer Modellversuch auf die Heroinvergabe oder die begleitenden psychosozialen Maßnahmen zurückzuführen sind, ist doch wohl eher eine akademische. Da abstinenzorientierte Betreuung zu minimalen Ergebnissen führt, muss nach gesundem Menschenverstand die Diamorphinabgabe der wesentliche Faktor folgender Erfolge der Schweizer sein:

  1. Rückgang der Kriminalität der Teilnehmer von 70 % auf 18 % in 18 Monaten.
  2. In 5 Jahren stellten 19,5 % der Teilnehmer den Heroinkonsum ein.
  3. Der Gesundheitszustand der Teilnehmer konnte deutlich verbessert werden.
  4. Kein Teilnehmer starb durch den Gebrauch von Heroin.
  5. Die Anzahl der arbeitenden Teilnehmer stieg deutlich an.

Das Projekt wurde aber mit Schweizer Beflissenheit auch gesamtwirtschaftlich untersucht. Die Durchschnittskosten in den ambulanten Behandlungsstellen belaufen sich pro Patient/Tag auf 34,71 Euro. Es wurde ein volkswirtschaftlicher Gesamtnutzen von 65,34 Euro errechnet, der auf Einsparungen bei Strafuntersuchungen und Gefängnisaufenthalten wie auch auf der Verbesserung des Gesundheitszustandes beruht. Nach Abzug der Kosten ergibt sich ein volkswirtschaftlicher Netto-Nutzen von 30,63 Euro pro Patiententag. (2)

Auch bei der Drogenhilfe sollten weniger Ideologien als Effizienz eine Rolle spielen.

Drogen, welche auch immer, lassen sich nicht für alles verantwortlich machen. Ergebnisse internationaler Forschungsprojekte über Heroinkonsum belegen unzweifelhaft die Existenz autonom kontrollierter Gebrauchsformen und eigenständig eingeleiteter Ausstiegsprozesse aus der Drogenabhängigkeit ohne Inanspruchnahme therapeutischer Hilfe. (3)

Mit freundlichen Grüßen

Arbeitsgruppe Heroin des VfD (Verein für Drogenpolitik)
www.drogenpolitik.org

Dirk Sonntag
(Adresse)
dirksonntag@gmx.net