![]() |
| Neuigkeiten |
|
|
|
Legale Glücksgefühle (2003-07-31) Pubdate: 30/07/2003 Source: Berliner Zeitung Contact: leserbriefe@berlinonline.de Copyright ©: Berliner Zeitung Website: www.berliner-zeitung.de Webpage: www.berlinonline.de/berliner-zeitung/berlin/264240.html Mittwoch, 30. Juli 2003 Legale Glücksgefühle Peter Neumann So richtig stimmig war es ja schon seit längerer Zeit nicht mehr, das Klischee vom Haschkonsumenten. Nicht jeder, der sich schon einmal an Cannabis berauscht hat, trägt zwangsläufig Zottelhaare und läuft wirren Blickes umher. Auch zahlreiche Anzugträger haben sich bereits geoutet. Ulrich Wickert, heute Tagesthemen-Moderator, trank 1968 Tee mit einem Gramm Hasch und kämpfte 16 Stunden lang mit Lachanfällen. Gregor Gysi zog 1990 mal an einem Joint, musste allerdings auf Glücksgefühle à la Wickert verzichten. "Ich habe nichts dabei empfunden", vertraute der PDS-Mann einem Boulevardblatt an. Da kommen die Berliner Martin Lindner (FDP) und Volker Ratzmann (Grüne) fast schon etwas zu spät. Die Fraktionschefs und Rechtsanwälte sagten jetzt der Zeitung "taz", dass sie schon mal gekifft haben. Der Grünen-Politiker verlangt, bei einem Feldversuch die kontrollierte Haschischabgabe zu erproben. Der Freidemokrat setzt sich dafür ein, dass Cannabis legalisiert wird. Dabei bringt vor allem Lindner Argumente, die nicht drogenvernebelt, sondern im Gegenteil nüchtern und vernünftig sind. Zum Beispiel: "Cannabis ist nicht gefährlicher als Alkohol, sondern harmloser." Oder: Der Staat sollte sich auf einen "Kernbestand von wirklich nötigen Regeln" beschränken. Frieden für friedliche Kiffer! Lindner ist nicht der einzige Liberale, der so denkt. Auch die britische Zeitschrift Economist, seit dem 19. Jahrhundert Bannerträger des Kapitalismus, nennt gute Gründe für eine Liberalisierung des Marktes. Legalisierung mache Drogen billiger und trockne so die kriminelle Schattenwirtschaft aus. Zudem werde es dem Staat erst dadurch möglich, die Qualität zu kontrollieren sowie die Verbreitung zu steuern. Und überhaupt: Der Staat habe kein Recht, den Menschen zu verbieten, sich selbst zu schaden, solange die Gesellschaft keinen Schaden nimmt. So habe es John Stuart Mill (1806-1873) formuliert. Kein Kiffer, sondern ein Philosoph. |