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Drogenfreier Knast ist Illusion (2003-08-09) Pubdate: 09.08.03 Source: Lippische Landes-Zeitung Contact: lz@lz-online.de Copyright: © Lippische Landes-Zeitung Website: www.lz-online.de Online: www.lz-online.de/news/lokal/kr/LZ_20030806_2951043.html Drogenfreier Knast ist Illusion (mit JVA-Leiter Friedrich Waldmann) Detmold. Nichts und niemand darf einfach so aus dem Gefängnis raus rein aber ebenso wenig. Dennoch gibt es jenseits der Knastmauern einen illegalen Markt für Drogengeschäfte. Unbemerkt schleusen Kuriere den Stoff ein oft werden die Päckchen in den Körperöffnungen versteckt. Zwei Drogendealer sind gestern vor dem Amtsgericht Detmold verurteilt worden (nebenstehender Bericht). LZ-Redakteur Hartmut Salzmann sprach aus diesem Anlass mit Friedrich Waldmann, Leiter der Justizvollzugsanstalt (JVA) Detmold. Herr Waldmann, ist es überhaupt möglich, eine Justizvollzugsanstalt frei von Drogen zu halten? Friedrich Waldmann: Eindeutig nein. Wir haben den Grundkonsens, mit den Gefangenen behandlerisch zu arbeiten, sie also auf das Leben draußen vorzubereiten. Da kann man nicht einfach die Schotten dicht machen. Und so lange wir uns nach außen öffnen, müssen wir damit rechnen, dass Drogen in die JVA gelangen. Wir wissen, dass es Wege dafür gibt. Deshalb kontrollieren wir. Aber wenn Drogen beispielsweise in Körperöffnungen eingeschleust werden, ist die Sache sehr schwierig. Zu Verdachtsuntersuchungen fehlt uns die rechtliche Handhabe. Wie und wie oft wird kontrolliert? Waldmann: Die Hafträume werden regelmäßig kontrolliert, wobei ein Gefangener dumm ist, wenn er etwas im Haftraum liegen lässt. Drogen werden in der Regel am Mann transportiert. Deshalb durchsuchen wir den Arbeitsplatz in der Werkstatt, wir durchsuchen den Gefangenen nach Besuchsempfang, wir durchsuchen den Besucher. Wir kontrollieren die Kleidung der Gefangenen und ihre Post. Wenn wir etwas finden, erstatten wir strikt Strafanzeige. Wie hoch schätzen sie den Anteil der Drogenabhängigen unter den Gefangenen? Waldmann: Das ist ganz schwer zu sagen insofern, als nicht jeder Gefangene, der hier Drogen konsumieren möchte, auch tatsächlich abhängig ist. Da spielt die Langeweile oft eine Rolle. Grob würde ich den Anteil der Drogenabhängigen auf vielleicht 20 Prozent schätzen. Das sind auch diejenigen, auf die wir behandlerisch einwirken. Wir gravierend ist das Problem Drogenkonsum im Strafvollzug allgemein? Waldmann: Es ist grundsätzlich so, dass sich im Vollzug die Gesellschaft widerspiegelt. Wer draußen wegen Drogenkonsums aufgefallen ist, der wird nicht unbedingt geneigt sein, ausgerechnet im Vollzug damit aufzuhören. Weiche Drogen haben wir in der JVA Detmold, da bin ich mir sicher. An harten Drogen ist es nicht viel. Ich denke, wir haben das ganz gut im Griff. Aber wird nicht sogar ein gewisser Pegel an Drogenbesitz und -konsum im Strafvollzug geduldet, weil sonst das System zu unruhig und damit schlechter zu kontrollieren wäre? Waldmann: Ganz klares Nein. Wir versuchen, so weit es geht, zu kontrollieren. Fehlverhalten wird sofort geahndet. Wir bauen auch auf die Einsicht der Gefangenen. Jedem muss klar sein: Wenn er durch Drogenkonsum auffällt, hat das negative Folgen für die Lockerungsmaßnahmen dann werden Urlaub und Ausgang gestrichen. |